Liebe Leser,
jetzt haben wir also eine neue Regierung – mit Olaf Scholz den Bundeskanzler, einem konfessionslosen Rechtsanwalt aus Hamburg; mit Annalena Baerbock, einer Trampolinspringerin mit Politikwissenschafts-Vordiplom, die sich zwar evangelisch nennt, aber nach eigenem Bekunden an gar nichts glaubt, und mit Cem Özdemir einen muslimischen Absolventen der Evangelischen Fachhochschule für Sozialwesen in Reutlingen.
Wirklich „kennen“ können wir Bayern daneben nur noch Hubertus Heil, den neuen Arbeitsminister, und Karl Lauterbach, den telegenen Corona-Spezialisten. Heil ist bekennender Protestant, Lauterbach längst aus der Katholischen Kirche ausgetreten. Hm. Die ebengenannten Damen und Herrschaften sind also – neben allen anderen mit ähnlichem „Werdegang“ – künftig in Summe zuständig und verantwortlich für unser aller Geschick, jedenfalls das weltliche. Natürlich haben sie alle, neben der geschäftsmäßigen Ministerialbürokratie, unzählig viele Sachverständige, Berater, Analysten und Lobbyisten an der Seite, die sie leiten und lenken werden. Aber ob da einer darunter sein wird, der so denkt wie wir, die wir nicht im Sumpf der Großstädte geboren und aufgewachsen sind, sondern im weithin überschaubaren Bereich der Provinzen, wo es noch Füchse und Hasen gibt, die sich „Gute Nacht!“ wünschen? Man sagt immer gern „Warten wir’s ab!“ in Fällen, wo man nicht so genau weiß, wo die Reise hingehen wird. Man hat den neuen Regierungen immer „hundert Tage“ Einarbeitungs- und Gewöhnungszeit gegönnt, bis man, wo nötig, grantig und laut geworden ist.
Dumm, dass wir momentan nicht nur in einer Pandemie leben, sondern auch andere Stellen der Volkskörper krank geworden sind – das Verhältnis der Großmächte zueinander und Europas Platz mitten in diesen Auseinandersetzungen; die Nahost - Krisenlandschaft; die Flüchtlingsfragen; der Niedergang des Christentums bei gleichzeitigem Aufstieg des Islam; die Klimakrise; der Verlust greifbarer, analoger Werte zugunsten digitaler Spiegelfechtereien; der elende Zustand unserer Eisenbahnnetze und die desolaten Verhältnisse in unserer Bundeswehr; die Inflation; die Gas-Pipeline aus Russland – um nur ein paar der größten Baustellen zu nennen. Wir haben keine hundert Tage Zeit, bis vielleicht auch Herr Özdemir weiß, dass seine türkischen Freunde gerade dabei sind, die europäische Forellenteichwirtschaft, tatkräftig unterstützt von allerlei Lobbyisten und dilettierenden „Fachleuten“, nachhaltig auszutrocknen. Ob er wohl wirklich darauf aufmerksam gemacht werden kann, dass hier seit mehr als zehn Jahren – trotz der Warnrufe des ureigenen Fischervolkes! – die gesamtdeutsche Binnenfischerei zugunsten des globalen Importhandels sehenden Auges an die Wand gefahren wird?
Und wenn er tatsächlich erkennen könnte, wo uns alle der Schuh drückt – woher wüsste der ehemalige Fachhochschüler für Sozialwesen wohl, wie man hier bei uns gesunde, wertvolle, heimische Fische erbrüten und so aufpäppeln kann, dass sie nicht nur an den Feiertagen die festlich gedeckten Tafeln schmücken, sondern mit dafür sorgen könnten, dass unsere heimischen Fische in ihren ursprünglichen Lebensräumen erhalten blieben?
Leider können wir dem Herrn Bundesminister nicht mit dem See Genezareth kommen, wo man vor ziemlich genau zweitausend Jahren schon erkannt hatte, dass nur von Worten, ohne Brot und ohne Fisch, kein Volk der Welt satt wird. Und dass der Fisch viel mehr ist als nur ein Lebensmittel, sondern auch Sinnbild dafür, dass bei rechtem Umgang mit der uns anvertrauten Schöpfung jeder an dem Überfluss teilhaben darf, der uns vorgegeben ist. Jeder. Dass der Strom nicht bloß aus der Steckdose kommt, wussten sie im Alten Testament auch schon. „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis dass du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist“, lesen wir.
Hoffentlich blättert unser neuer Landwirtschaftsminister in einer Sitzungspause auch mal im Buch Mose, nicht nur in seinem Parteibuch. Wir wünschen ihm viel Erfolg dabei – und trotz allem auch Gottes Segen!

Ihr
Dr. Peter Wißmath