Liebe Leser,

„angesichts der mageren Erträge können wir nur beten und hoffen“, hatte Regina Metzger am 29. Juni dieses Jahres in Dießen vor dem Fischerjahrtag vorausgeschickt, "dass unsere Messe heute hilft". Wie seit dem Bestand der Fischereigenossenschaft Ammersee hatte der Jahrtag an Peter und Paul mit einem Kirchenzug zu St. Johann in Dießen und einem „Fischeramt“ begonnen. Begleitet wurde das Hochamt von der Entrachinger Blaskapelle, die weder auf dem Hin- noch auf dem Rückmarsch aus dem Takt geraten war und das kühle Kirchenschiff mit den warmen Klängen von Schuberts „Deutscher Messe“ bis unter den Dachstuhl füllte.

Natürlich war auch die Presse dabei, fand spitzfindig aber nur bemerkenswert, dass die Blaskappelle zu ihrem Abschied aus dem Dießener „Unterbräu“ den auch in Süddeutschland so populären „Bozener Bergsteigermarsch“ intonierte, in dem der Erste Trompeter mit seinen Koloraturen so herrlich brillieren konnte. „Nicht ganz zunftgemäß!“, hieß es dazu in einem Bericht der „Süddeutschen“ am darauffolgenden Tag. Der offenbar streng-national eingestellte Journalist störte sich im Folgenden auch daran, dass VBB-Präsident Albert Deß in seinem Grußwort dafür eintrat, sich als Bauer und Berufsfischer nicht von einer „scheinbaren Mehrheit so genannter Naturschützer“ fortgesetzt terrorisieren zu lassen. Auch missfiel es dem Journalisten, als Deß launig bemerkte, die deutsche Sprache bedürfe keiner weiteren Verwirrung durch 45 diverse Artikel; der „Landfunk“ des Bayerischen Rundfunks sei zudem eigentlich gar keiner mehr, sondern ideologisches Sprachrohr der Stadtbewohner geworden. Der „Journalist“ hielt das in seinem Artikel für „Räsonieren“. Offenbar war ihm die feine Ironie in der Grußrede entgangen – den versammelten Fischerinnen und Fischern offenbar aber nicht. Die konnten lachen und sich über ihren Präsidenten freuen, der sich auch noch über den falschen Wetterbericht ärgerte. „Wenn ich g‘wusst hätt‘, dass es so schön bleibt, wär ich mit dem Motorradl aus der Oberpfalz gekommen!“ Jetzt aber zu Regina Metzger – die erste Frau, die eine bayerische Seenfischereigenossenschaft hauptamtlich führt!

Die 38jährige aus Riederau stammende Fischwirtin und Mutter hat Literaturwissenschaft in Wien und Chicago studiert, erst im Kultur- und Medienbereich gearbeitet, dann aber dem Vater zuliebe und der eigenen Neigung folgend die Fischereilehre gemacht, um den elterlichen Betrieb übernehmen zu können. Dabei lernte sie ihren jetzigen Ehemann Sebastian kennen und verband sich nicht nur auf immer mit ihm, sondern auch mit der Fischerei am Ammersee. Seit 2014 sind sie eine Gemeinschaft, ein Herz und eine Seele.
„Wir ergänzen uns beruflich und privat richtig gut", sagt Regina. Die Betriebsübergabe 2015 erfolgte reibungslos, die beiden werden von Reginas Vater weiterhin tatkräftig unterstützt. „Coronabedingt haben wir entschieden zusätzlich zum Lieferservice an Gastronomie und Händler einen Direktverkauf anzubieten. Das wurde von Anfang an sehr gut angenommen und so haben wir uns jetzt den Traum von einem richtigen kleinen Fischladen erfüllt" meint die passionierte Köchin und Feinschmeckerin glücklich.
Wir bayerischen Fischer wünschen Regina Metzger und der Genossenschaft am Ammersee Gottes Segen, Gesundheit, Glück, Erfolg und wieder reiche Fänge! Und natürlich wünschen wir, lieber Dr. Bernhard Ernst, der vom Vorsitz aus gesundheitlichen Gründen zurücktreten musste, alles Gute und vor allem gute Besserung! Wenn Du mal weltliche Schwierigkeiten haben solltest, liebe Regina, die Du mit eigener Kraft und der Kraft deines Gatten nicht bewältigen kannst, dann vertrau Deinen bayrischen Fischereigenossen und dem Verband Bayerischer Berufsfischer: Wir werden alles tun, was in unserer Macht steht, um Dich und Deine Familie aus jedem Schlamassel herauszuholen, der Euch und Eurer Fischerei drohen sollte. Versprochen!
Ihr
Dr. Peter Wißmath