Liebe Leser,

der Verband Bayerischer Berufsfischer ist, ebenso wie seine Zeitschrift „Fischer&Teichwirt“, gerade eben ein halbes Jahrhundert alt geworden. Was in all diesen Jahren geschah, was zu überstehen war, was geleistet wurde und woran man sich abgearbeitet hat, wurde getreulich aufgezeichnet – in über 500 Monatsheften lässt sich die rezente Zeitgeschichte der bayerischen Binnenfischerei und die tragende Rolle, die der VBB dabei hatte, akribisch nach verfolgen.
Jedes Mitglied des VBB hat eine lückenlose Chronik dieses halben Jahrhunderts entweder immer noch vor Augen, jedenfalls aber gesammelt im Bücherschrank oder in einem Kellerregal. Und so wie ich unsere Fischer und Teichwirte kenne: Immer geordnet und verfügbar!
Dieses Weihnachts-Sonderheft, das dem fünfzigsten Geburtsjahr des VBB gewidmet ist und in dem auch die Weggefährten des VBB zu Wort kommen, soll für sich sprechen. Es will zeigen, mit welcher Liebe und mit welchem Engagement sich wir Fischer und Teichwirte unseren Lebensaufgaben widmen, stets bestrebt, die Natur als einzigartige Ressource und die Tiere, mit denen wir zum Wohle aller Mitmenschen Umgang pflegen, in ihrem Bestand bestmöglich zu erhalten. Dass wir eine Hegepflicht haben, musste uns nicht erst der Gesetzgeber vorschreiben – hätten wir sie nicht über Tausende und Abertausende von Jahren von selbst erfüllt, gäb’s bei uns schon lange keine Fischbestände und keine Fischerei mehr.
Was sind aus unserer Sicht die letzten 50 Jahre schon anderes als der Rückblick auf eine Menschengeneration, die in eine moderne, von industriellem und kapitalistischem Denken geprägte Gesellschaft hineingeboren wurde? Die sich immer wieder vor Probleme gestellt sah, die sie nicht selbst angerichtet, aber stets selbst auszubaden hatte? Die sich, oft verzweifelt, bemüht hat und bemüht, Bayerns Natur, das Gestern, das Heute und das Morgen, zusammenzubringen und für die Zukunft zu erhalten?
Wir sind mit unserer immer noch bodenständigen Fischereiwirtschaft durch die Jahrzehnte gekommen, haben uns hier erneuert, wo es unabdingbar war, und dort auf Altem bestanden, selbst wenn nur wir es waren, die es als wertvoll erkennen konnten. Wir sind auf diese Weise durch Hochwasser- und Trockenzeiten, durch Nuklearkatastrophen und durch die Corona-Pandemie gekommen. Wir werden auch den amtlichen „Schutz“ vor den Fischseuchen überstehen, den uns der Staat trotz unserer Warnungen angedeihen ließ und der unsere Fischzuchten, anders als die Krankheiten, wirklich in ihrer Existenz bedrohte.
Wenn wir jetzt, kurz vor Weihnachten 2021, einmal Atem holen und aufblicken, sehen wir immer noch eine liebliche bayerische Teich- und Seenlandschaft. Sie wird von jenen Menschen immer noch pfleglich genutzt, die schon vor 2000 Jahren wussten, was zu tun ist, wenn man immer wieder auf neue ernten möchte. Wir bayerischen Binnenfischer brauchen keine globalen Handelsabkommen, keine faulen Kompromisse mit den Industrien anderer Kontinente, um mit unseren Seen und Teichen weiter sinnvoll und selbsterhaltend zu wirtschaften. Es genügt, wenn man sich weltweit darauf einließe, das Klima unserer Erde so zu schonen, dass Feuer, Wasser, Erde und Luft wieder zu einem gesunden Kreislauf fänden. Einem Gleichgewicht, das es uns allen ermöglichte, frohgemut in die Zukunft zu blicken statt ängstlich darauf zu warten, dass wir demnächst alle miteinander verdursten, vertrocknen, verbrennen oder ertrinken.
Nur Mut und Zuversicht, liebe Leser! Wir werden die Kirche im Dorf lassen und uns weiter bemühen, unsere geliebte Fischerei nicht nur als Teil der Natur, sondern auch als wesentlichen Bestandteil der menschlichen Kultur zu erhalten – mag da kommen, was will.
Der VBB wünscht Ihnen allen frohe Weihnachten und ein gesegnetes, neues Jahr!

Ihr
Dr. Peter Wißmath